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Umkämpftes Erinnern


 

Wiener Festwochen/Into the City 2015. Der Morzinplatz als Gedächtnisort im Postnazismus. Ein Symposium zu Geschichtspolitik und Gedenkkultur

Der Wiener Morzinplatz ist ein zentraler und zugleich marginalisierter Erinnerungsort: Bereits unmittelbar nach Kriegsende wurde die in Trümmern liegende Gestapo-Leitstelle als Ort des Terrors und der Verbrechen der Nazis zu einem wichtigen Bezugspunkt des Gedenkens an die antifaschistischen Widerstandskämpfer_innen. Es sollte aber Jahrzehnte dauern, bis die in erster Linie vom KZ-Verband getragene und immer wieder eingeforderte Würdigung der Opfer mit der Errichtung einer Gedenkstätte und eines Mahnmals Eingang in die offizielle österreichische Gedenkkultur fand. Diese war bekanntlich bis in die 1990er-Jahre von jenem widersprüchlichen Geschichtsverständnis geprägt, das – die Mitverantwortung für die Verbrechen ausblendend – Österreich als antinazistisches „erstes Opfer“ stilisierte und gleichzeitig die antifaschistische Erinnerungserzählung als kommunistisch diffamierte. Die Auseinandersetzungen darüber, welchen Opfern bzw. Opfergruppen am Morzinplatz wie gedacht werden soll, ziehen sich bis in die Gegenwart – das Erinnern stellt sich nach wie vor als umkämpftes dar. Am Morzinplatz lassen sich also beispielhaft die geschichtspolitischen Deutungskämpfe der Zweiten Republik – Konflikte, Kompromisse und Konsensbildungen, wie auch deren Widersprüche und Auslassungen – nachzeichnen. Warum und inwiefern bleiben dieser Gedächtnisort und seine Geschichte dennoch meist paradox unsichtbar? Und wofür kann und soll der Ort heute stehen?

Samstag, 20. Juni 2015 16.00-21.00 Uhr und Sonntag, 21. Juni 2015 10.30-20.00 Uhr
Morzinplatz, 1010 Wien

Zum Abschluss des Into the City-Programms "Hotel Metropole – Der Erinnerung eine Zukunft geben" widmet sich ein Symposium den vergangenen und gegenwärtigen geschichtspolitischen Kämpfen, geht den postnazistischen Bruchlinien und daraus resultierenden Transformationen des Gedenkens nach und fragt nach möglichen Allianzen und Strategien der Intervention und Aktualisierung. In unterschiedlichen Formaten werden geschichtswissenschaftliche, künstlerische, geschichtsaktivistische, kulturwissenschaftliche und stadtforschende Perspektiven eröffnet, reflektiert und gemeinsam diskutiert.

Konzipiert von: Renate Höllwart, Monika Sommer, Nora Sternfeld, Luisa Ziaja (schnittpunkt. ausstellungstheorie & praxis)

Programm

Samstag, 20. Juni 2015, 16 bis 21 Uhr
Performance / Vortrag / Lesung / Diskussion

16 Uhr Begrüßung und Einführung

16.30 Uhr Befragungen und Allianzen
Eine Performance von Jakob Lena Knebl (Künstler_in)

17.30 Uhr Gedächtnistransformationen. Der Morzinplatz als Beispiel
Heidemarie Uhl (Historikerin)

18.30 Uhr Schreiben nach dem Massenmord
Eine Lesung aus Texten von Doron Rabinovici (Schriftsteller, Historiker)

19.30 Uhr Nie wieder was? Widersprüche und Widerstände aktueller Geschichtspolitiken
Nora Sternfeld (Kunstvermittlerin, Kuratorin) im Gespräch mit Doron Rabinovici und Heidemarie Uhl

Sonntag, 21. Juni 2015, 11 bis 20 Uhr
Performance / Vortrag / Lesung / Diskussion / Rundgang / Workshop

11.00 Uhr Transformationen der Ästhetik des Erinnerns. Zum Dilemma der (Un-)Darstellbarkeit
Luisa Ziaja (Kunsthistorikerin, Kuratorin)

12.00 Uhr Intervention und Aktualisierung. Geschichtspolitik als künstlerisches Handlungsfeld
Paneldiskussion mit Nayari Castillo, Eduard Freudmann, Petra Gerschner, Jakob Lena Knebl, Martin Krenn, Isa Rosenberger, Arye Wachsmuth (Künstler_innen), moderiert von Luisa Ziaja

14.00 Uhr Mittagspause

15.00 Uhr Workshops am Morzinplatz und im Textilviertel
vorgestellt und moderiert von Renate Höllwart (Vermittlerin)

Pläne, Bauten und Geschichtsorte des Nationalsozialismus in Wien: Kontinuitäten, bestehende und fehlende Gedächtnisorte. Gabu Heindl (Architektin, Stadtforscherin) gemeinsam mit Barbara Hainz, Lukas Heinz, Juliana Lindenhofer, Manuela Mandl (Student_innen)

Geschichtspolitischer Spaziergang im Textilviertel mit Elke Krasny (Kulturwissenschaftlerin, Kuratorin)

18.00 Uhr Zur Zukunft des Erinnerns: Transnationale Ansätze – Partizipative Strategien – Urbane Verortungen.
Paneldiskussion mit Lisa Bolyos (Redakteurin Augustin, Aktivistin), Gabu Heindl, Rena Rädle (Künstlerin, Gedenkprojekt starosajmiste.info), Jörg Skriebeleit (Historiker, KZ-Gedenkstätte Flossenbürg), moderiert von Monika Sommer (Historikerin, Kuratorin)

 

Erinnerungsbegehren und Musealisierung

Die Berliner Museums-und Gedenkstättenlandschaft ist ein paradigmatischer Ort für die Transformation der Erinnerungs­bedürfnisse spätmoderner Gesellschaften. Das neue Interesse für das negative Gedächtnis zeigt sich an der "Entdeckung" der historischen Stätten der NS-Tätergesellschaft, wie der Topographie des Terrors und dem Haus der Wannsee-Konferenz. An "historischen" Orten ebenso wie in neuen Museums-und Ausstellungs-Formaten wurden museale Repräsentationen eines Schuldgedächtnisses realisiert, die mittlerweile den nationalen Container hinter sich gelassen haben und zu Orten einer globalen Geschichtserzählung geworden sind.

Gespräch mit Heidemarie Uhl (Zeithistorikerin, ÖAW), Monika Sommer (schnittpunkt)
Moderation: Nora Sternfeld (schnittpunkt)

1. Juli 2008 19.00 Uhr
Depot Wien, Breite Gasse 3, 1070 Wien

Eine Veranstaltung von schnittpunkt ausstellungstheorie & praxis im Kontext der Berlin-Exkursion Architekturen des Gedenkens. Narrationen der Erinnerung im Postnazismus